Dieser Artikel steht im Zusammenhang mit der Seite Regierungsstruktur. Hier wird erklärt, warum Hindenburg die Verfassung der Weimarer Republik teilweise ausschalten konnte. Weil er das konnte, war die Weimarer Repubblik auch nicht mehr richtig demokratisch und dadurch, das er von der Verfassung die Möglichkeit bekam, so viel zu verändern und ganz allein nach seinen Wünschen zu formen erklärt auch schon, warum die Verfassung der Weimarer Republik so nicht funktionieren konnte. Eigentlich konnte die Weimarer Republik auf Grund des Wunsches des Reichspräsidenten, hier Paul von Hindenburg, in eine Diktatur umgewandelt werden und so etwas kann in einer Demokratie nicht dauerhaft möglich sein.

Der Reichspräsident in der Weimarer Verfassung


Paul von Hindenburg konnte viele der Gesetze der Weimarer Verfassung einfach durch Notverordnungen außer Kraft setzen, weil er von eben jener Verfassung in seiner Funktion als Reichspräsident etliche Sonderbefugnisse zugesprochen bekam.

" Dritter Abschnitt
Der Reichspräsident und die Reichsregierung
Artikel 41
Der Reichspräsident wird vom ganzen deutschen Volke gewählt. Wählbar ist jeder Deutsche, der das fünfunddreißigste Lebensjahr vollendet hat. Das Nähere bestimmt ein Reichsgesetz.
Artikel 42
Der Reichspräsident leistet bei der Übernahme seines Amtes vor dem Reichstag folgenden Eid: "Ich schwöre, daß ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, die Verfassung und die Gesetze des Reichs wahren, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde." Die Beifügung einer religiösen Beteuerung ist zulässig.
Artikel 43
Das Amt des Reichspräsidenten dauert sieben Jahre. Wiederwahl ist zulässig. Vor Ablauf der Frist kann der Reichspräsident auf Antrag des Reichstags durch Volksabstimmung abgesetzt werden. Der Beschluß des Reichstags erfordert Zweidrittelmehrheit. Durch den Beschluß ist der Reichspräsident an der ferneren Ausübung des Amtes verhindert. Die Ablehnung der Absetzung durch die Volksabstimmung gilt als neue Wahl und hat die Auflösung des Reichstags zur Folge. Der Reichspräsident kann ohne Zustimmung des Reichstags nicht strafrechtlich verfolgt werden.
Artikel 44
Der Reichspräsident kann nicht zugleich Mitglied des Reichstags sein.
Artikel 45
Der Reichspräsident vertritt das Reich völkerrechtlich. Er schließt im Namen des Reichs Bündnisse und andere Verträge mit auswärtigen Mächten. Er beglaubigt und empfängt die Gesandten. Kriegserklärung und Friedensschluß erfolgen durch Reichsgesetz. Bündnisse und Verträge mit fremden Staaten, die sich auf Gegenstände der Reichsgesetzgebung beziehen, bedürfen der Zustimmung des Reichstags.
Artikel 46
Der Reichspräsident ernennt und entläßt die Reichsbeamten und die Offiziere, soweit nicht durch Gesetz etwas anderes bestimmt ist. Er kann das Ernennungs- und Entlassungsrecht durch andere Behörden ausüben lassen.
Artikel 47
Der Reichspräsident hat den Oberbefehl über die gesamte Wehrmacht des Reichs.
Artikel 48
Wenn ein Land die ihm nach der Reichsverfassung oder den Reichsgesetzen obliegenden Pflichten nicht erfüllt, kann der Reichspräsident es dazu mit Hilfe der bewaffneten Macht anhalten. Der Reichspräsident kann, wenn im Deutschen Reiche die öffentliche Sicherheit und Ordnung erheblich gestört oder gefährdet wird, die zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung nötigen Maßnahmen treffen, erforderlichenfalls mit Hilfe der bewaffneten Macht einschreiten. Zu diesem Zwecke darf er vorübergehend die in den Artikeln 114, 115, 117, 118, 123, 124 und 153 festgesetzten Grundrechte ganz oder zum Teil außer Kraft setzen. Von allen gemäß Abs. 1 oder Abs. 2 dieses Artikels getroffenen Maßnahmen hat der Reichspräsident unverzüglich dem Reichstag Kenntnis zu geben. Die Maßnahmen sind auf Verlangen des Reichstags außer Kraft zu setzen. Bei Gefahr im Verzuge kann die Landesregierung für ihr Gebiet einstweilige Maßnahmen der in Abs. 2 bezeichneten Art treffen. Die Maßnahmen sind auf Verlangen des Reichspräsidenten oder des Reichstags außer Kraft zu setzen.Das Nähere bestimmt ein Reichsgesetz.
Artikel 49
Der Reichspräsident übt für das Reich das Begnadigungsrecht aus. Reichsamnestien bedürfen eines Reichsgesetzes.
Artikel 50
Alle Anordnungen und Verfügungen des Reichspräsidenten, auch solche auf dem Gebiete der Wehrmacht, bedürfen zu ihrer Gültigkeit der Gegenzeichnung durch den Reichskanzler oder den zuständigen Reichsminister. Durch die Gegenzeichnung wird die Verantwortung übernommen.
Artikel 51
Der Reichspräsident wird im Falle seiner Verhinderung zunächst durch den Reichskanzler vertreten. Dauert die Verhinderung voraussichtlich längere Zeit, so ist die Vertretung durch ein Reichsgesetz zu regeln. Das gleiche gilt für den Fall einer vorzeitigen Erledigung der Präsidentschaft bis zur Durchführung der neuen Wahl. "

Quelle: http://www.dhm.de/lemo/html/dokumente/verfassung/index.html
Unter diesem Link ist auch der Rest der Weimarer Verfassung einzusehen.

Artikel 48 erlaubte Hindenburg damit, die Demokratie im Land einzuschränken und eigentlich sogar zu machen, was er will. Da er den Reichskanzler einstellt und natürlich nur einen solchen, der die gleichen Ziele verfolgt wie er auch, war auch Artikel 50 nicht in der Lage, zu greifen und zu verhindern, dass die Demokratie in Deutschland beschränkt wird.


Textquelle:
Verfassungsauschnitt: siehe oben
Erklärung: Autorentext auf Grundlage des Abschnitts aus der Verfassung