Der Friedensvertrag von Versailles beendete den Ersten Weltkrieg formal. Er ist einer der Hauptgründe für das Scheitern der Weimarer Republik. Diese Provokation nutzten viele aus, um an die Macht zu kommmen.

Vorverhandlungen

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Unterzeichnung des Versailler Vertrags

Es wurde heftig über die Auflagen für die Verlierer des Krieges gestritten, bis schließlich die deutschen Abgesandten am 07. Mai 1919 aufgefordert wurden, die Vertragsbestimmungen zu nehmen. Der Vertrag hatte 15 Teile mit 440 Artikeln. Als die einzelnen Punkte in Deutschland bekannt wurden, waren Vertreter aller Parteien entsetzt.

Unterzeichnung

Die Regierung unter Reichskanzler Scheidemann trat im Juni 1919 zurück, da sie nicht die Verantwortung für die Unterzeichnung des Vertrages übernehmen wollte. Die Alliierten setzten ein Ultimatum und drohten mit erneuten Kriegshandlungen. Obwohl die deutsche Regierung und die Parteien der Nationalversammlung gegen den Vertrag protestierten, stimmte die deutsche Nationalversammlung, unter diesem Druck der Siegermächte, in Weimar am 22. Juni 1919, im Reichstag mit 237 gegen 138 Stimmen schließlich für die Annahme.
Nachdem der Vertrag angenommen worden war, wurde er sechs Tage später vom neuen Außenminister und Verkehrsminister im Spiegelsaal von Versailles unterzeichnet. Die politischen Representanten wurden aufgrund der Unterzeichnung des Vertrags als "Erfüllungspolitiker" bezeichnet. Deshalb fielen einige politischen Attentaten zum Opfer, wie z.B. Matthias Erzberger und Walter Rathenau.
Der Vertrag trat dann am 10. Januar 1920 in Kraft.


Inhalt


Die neuen Grenzen

Die Grenzen des Deutschen Reiches wurden neu festgelegt. Dabei wurde bestimmt, wer politisch über die Gebiete regieren durfte, die Deutschland abtreten musste. Deutschland hatte Gebietsverluste von 70 000 Quadratkilometern. So ging Elsass-Lothringen an Frankreich, das Hultschiner Ländchen an die Tschechoslowakei, Posen und Westpreußen an Polen, das Memelgebiet geriet unter die Kontrolle der Alliierten, Danzig wurde dem Völkerbund gegeben.

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Deutschland nach der Unterzeichnung des Vertrags


In verschiedenen Grenzgebieten sollten Wahlen über die Zugehörigkeit entscheiden. Eupen-Malmedy fiel an Belgien und Nordschleswig wurde zwischen Deutschland und Dänemark geteilt. Das Saargebiet wurde 15 Jahre vom Völkerbund regiert, danach konnte es selbst über seinen Status entscheiden. Im südlichen Ostpreußen und in Westpreußen östlich der Weichsel wurde für die Zugehörigkrit im Deutschen Reich gestimmt. Im Saargebiet sollte erst nach Ablauf von 15 Jahren eine Volksabstimmung stattfinden. Bis dahin wurde das Saargebiet dem Völkerbund zugeteilt.

Deutschland musste alle Kolonien abtreten. Deshalb unterzeichneten auch so viele Länder den Vertrag, denn auch Honduras, Haiti oder Uruguay waren mit dabei.

Reparationen

Deutschland musste Zahlungen von Geldern, Sach- und Dienstleistungen geben. Diese sollten als Wiedergutmachung für die Verluste der Alliierten und als Schadensersatz dienen.

Geschrumpftes Militär

Verbot der allgemeinen Wehrpflicht, Einschrämkung des Heeresauf 100000 Mann und der Marine auf 15000 Mann.
+ Verbot aller schweren Waffen z.B. Kanonen, Panzer, Kampfflugzeuge,etc...

Völkerbund

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Unterschriften unter dem Versailler Vertrag
Der Vertrag sah zusätzlich die Gründung eines Völkerbundes vor (Vorläuferorganisation der heutigen Vereinten Nationen). Deutschland war bis 1926 kein Mitglied.

Arbeitsorganisation

Ebenso wurde durch den Friedensvertrag die Internationale Arbeitsorganisation gegründet. Sie war eine ständige Einrichtung des Völkerbundes mit dem Ziel der Sicherung des Weltfriedens auf der Grundlage sozialer Gerechtigkeit

Wirtschaftliche Bestimmungen

Es wurde festgelegt, dass die deutsche Handelsflotte verkleinert werden musste. Die großen deutschen Schifffahrtswege (Elbe, Oder, Donau und Memel), wurden für international erklärt. Das Deutsche Reich musste den Siegermächten einseitig die Meistbegünstigung für fünf Jahre gewähren. Es durften nur Produktbezeichnungen aus den Ländern der Siegermächte verwendet werden, wenn die so bezeichneten Produkte auch tatsächlich aus der genannten Region stammten. So durfte z.B. Branntwein aus Deutschland nicht mehr als Cognac verkauft werden oder Schaumwein als Champagner. (Champagnerparagraph 274)

Garantie

Als Garantie für die Durchführung des Vertrags wurde die Besetzung des linksrheinischen Gebietes und zusätzlicher Brückenköpfe bei Köln, Koblenz und Mainz durch die Alliierten vereinbart.

Die alleinige Kriegsschuld

Deutschland musste unterschreiben, dass es die alleinige Kriegsschuld trägt und damit begründeten die Siegermächte ihre im Vertrag festgeschriebenen Forderungen nach Reparationen und Gebietsabtretungen. Die Tatsache, dass die Deutschen allein für den Krieg verantwortlich gemacht wurden, war für die Deutschen fast unannehmbar und sorgte für Tumulte und Unruhen.

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Germania am Marterpfahl Propagandapostkarte gegen die Bestimmungen des Versailler Vertrages

Folgen


Vorteil für die extreme Rechte

Vor allem von den radikalen rechten Gruppen wurde dieser Vertrag als Verlust, ja sogar als Verrat bezeichnet. Die später an die Macht kommenden Nationalsozialisten nutzten die umstrittenen Reparationszahlungen, die Gebietsabtretungen und die Alleinschuld, um sie gegen die Weimarer Republik und das Ausland zu verwenden und um Stimmung gegen sie zu machen. Die extreme Rechte warf den republikanischen Kräften vor, mit der Befürwortung und Unterzeichnung des Vertrages entschieden zu einer Erniedrigung des Deutschen Reichs und zur Verweigerung des Selbstbestimmungsrechts Deutschlands beigetragen zu haben. Zahlreiche Bilder und Postkarten zeigten die einst stolze und kämpferische Germania gefesselt am Marterpfahl. Die "Fesseln von Versailles" zu sprengen gehörte in den Jahren der Weimarer Republik daher zum Hauptziel deutscher Außenpolitik.


Die Auswirkungen des Versailler Vertrags für die Industrie (Wirtschaft)

Das Deutsche Reich wurde durch die Gebietsabtretungen in seiner Wirtschaftskraft erheblich geschwächt.

Große Teile seiner Industrie wurden getroffen,wie z.B,die Förderung von Kohle und Eisenerz und die Produktion von Roheisen und Stahl. Der Verlust Posens und Westpreußens verringerte die Lebensmittelproduktion in starkem Maß, ein Verlust, den die deutsche Landwirtschaft zunächst nicht ausgleichen konnte. Durch den Verlust von 90 % der Handelsflotte und durch den Verlust des Auslandsvermögens wurde der deutsche Außenhandel stark beeinträchtigt.

Das alles und mehr führte dazu das die Deutsche Wirtschaft in den Folgejahren nicht stark genug war um die von den Siegermächten verlangten Zahlungen zu bezahlen.



Folgen der Reparationen


Der Verfall der deutschen Währung

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Gutschein von 1932

Seit 1918 beschleunigte die Inflation sich ständig. Durch Kriegsanleihen wuchsen die Staatsschulden bis 1919 auf 144 Milliarden Mark. Doch auch nach Kriegsende wurde noch sehr viel Geld benötigt. Da mussten die Familien gefallener Soldaten, Kriegsinvaliden, Arbeitslosen und Flüchtlingen unterstützt werden und verzinste Kriegsanleihen - von mehr als
100 Milliarden Mark - und Sachlieferungen gezahlt werden. Doch gegenüber diesen Unsummen von Ausgaben standen nicht die entsprechenden Steuereinnahmen. Deutschlands wirtschaftliche Kraft war, außer dem Krieg, noch durch die Gebietsabtretungen beträchtlich geschwächt worden. 75% der Eisenerz - und 26% der Steinkohleförderung (dadurch, dass die Kohlengruben, des Saargebiets als Entschädigung dem französischen Wirtschaftsgebiet eingegliedert wurden),außerdem 44% der Roheisen - und 38% der Stahlproduktion stammten aus den abzutretenden Gebieten.
Der Wert der Mark sank immer schneller, denn der Staat ließ Papiergeld drucken.
Dadurch konnte er zwar seine Schulden abbezahlen, doch der großen Menge Geld stand kein ansprechendes Warenangebot gegenüber. Das mittelständige Bürgerschicht litt erneut am meisten und um nicht zu verhungern, waren sie gezwungen “Sachwerte”, wie Schmuck zu verkaufen, denn ihre Ersparnisse wurden alle wertlos. Auch Löhne und Renten konnten mit dem Preisanstieg nicht mithalten. Die Unzufriedenheit im Volk wuchs, und der Hass gegen die schuldtragende, eigene Regierung und die Siegermächte war die beste Voraussetzung für die Ausbreitung des Rechtsextremismus. Auch die KPD gewann viele Anhänger.

Dolchstoßlegende

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Dolchstoßlegende

Weil der Friedensvertrag ausgerechnet in Versailles unterzeichnet werden musste fühlte sich Deutschland gedemütigt.(Dort hatte im Januar 1871 nach dem Sieg gegen Frankreich die feierliche Gründung des Deutschen Reichs stattgefunden-> Demütigung der Franzosen)
Die Gegner der Republik lasteten dies den demokratischen Parteien an. Sie warfen ihnen vor, Deutschland der ,,Schuldknechtschaft" ausliefern zu wollen, weil sie die Bedingungen des Vertrags erfüllen wollten. Rechts gerichtete Gruppen verbreiteten in dieser Sitution ihre Sichtweise der Kriegsniederlage: der Krieg sei nicht an der Front verloren gegangen, vielmehr seien Demokraten und Revolutionäre im November 1918 den Soldaten in den Rücken gefallen und hätten so den Sieg verhindert. Diese ,,Dolchstoßlegende" wurde populärer Bestandteil der Propaganda gegen Parlamentarismus und Demokratie.





Quellen: